Stärker in Stadt- und Bauplanung eingreifen

Forderte Hitzegefahren ernster zu nehmen: Prof. Dr. Hans Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Wien. (Foto: BS/Giessen)

„Heat is a silent killer of silent persons“, so das Fazit von Prof. Dr. Hans Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Wien. Generell nehmen Hitzetage über 30 Grad Celsius immer mehr zu. 2045 werden es pro Jahr durchschnittlich über 40 sein. Zwischen 1981 und 2000 waren es jährlich noch nur 15.

Natürlich sei die Mortalität regional sehr unterschiedlich, doch allerorts müssten soziale Faktoren stärker bedacht werden. Besonders alleinlebende, nicht mobile Menschen seien von Hitzetoden betroffen. Deshalb müsse die Stadtplanung mehr auf Hitzesenkende Maßnahmen beachten und stärker in die Bebauungsplanung eingreifen.

Hutter unterstrich sein Fazit mit zahlreichen Ergebnissen aus der Hitzeforschung. In Europa habe die letzte große Hitzewelle 2003 zwischen 60.000 und 70.000 Tote gefordert. 9.000 allein in Deutschland, sogar 15.000 in Frankreich. Dort wurde die Hitzewelle als Katastrophe eingeordnet und im Nachgang ein Aktionsplan erarbeitet, wie zukünftig solche Opferzahlen verhindert werden können. Dieser Notfallplan sah vor allem Vorkehrungen für ältere Menschen vor, die entweder allein zu Hause leben, oder in Pflegeeinrichtungen. Die Umsetzung des Planes zeigte Wirkung. Bei einer kürzeren Hitzewelle 2006 gab es lediglich 4.400 Todesfälle zu beklagen.

Deutschland macht noch zu wenig

 „Wir müssen uns anpassen!“, forderte Hutter. Auch für Deutschland gebe es insgesamt einen Aktionsplan gegen Naturkatastrophen. Das Thema Hitze nehme in dem 70-seitigen Dokument aber nur eine Seite ein. Ein Projekt dazu trägt den Status: Idee, Finanzierung noch offen“, berichtete der Wiener Mediziner und verlangte deshalb konkrete Hitzeaktionspläne mit einem praktikablem Management unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftlicher Randgruppen. Dazu zählten neben älteren Menschen, Säuglingen und Obdachlosen auch Menschen, die hitzeintensive Arbeitsplätze hätten. Das könnten zum Beispiel Straßenarbeiter sein, die mit Asphalt arbeiten. Der Bevölkerung riet Hutter zu mehr Nachbarschaftshilfe und zu einfachen präventiven Maßnahmen, wie das Verdunkeln von Fenstern oder kurzem Stoßlüften. Und natürlich müsse der Klimaschutz vorangetrieben werden.