„Civil defence“ wird wieder wichtiger

In Zukunft könne es zu plötzlichen Bevölkerungsbewegungen von rund zehn Millionen Menschen kommen. Darauf machte Dr. Johannes Luchner, Direktor für Katastrophenmanagement bei der Generaldirektion für Humanitäre Hilfe und Zivilschutz (DG ECHO) der Europäischen Kommission, aufmerksam.
(Foto: BS/Giessen)

Auf „plötzliche Bevölkerungsbewegungen in einer Größenordnung von bis zu zwei Prozent der Gesamtbevölkerung“, also rund zehn Millionen Menschen, müsse sich die Europäische Union (EU) nach einer Empfehlung der Atlantischen Allianz (NATO) einstellen. Das sagte Dr. Johannes Luchner, Direktor für Katastrophenmanagement bei der Generaldirektion für Humanitäre Hilfe und Zivilschutz (DG ECHO) der Europäischen Kommission.

Ein weiteres, „intensiviertes Beschäftigungsfeld“ der EU-Zusammenarbeit mit der NATO im Bereich der Vorsorgemaßnahmen beim Katastrophenmanagement stelle das Thema hybride Bedrohungen, insbesondere durch Cyber-Angriffe, dar. Während in den vergangenen 20 Jahren „der Fokus auf dem Zivilschutz im Sinne von ‚civil protection'“ gelegen habe, erhalte „nun der Verteidigungsfall im Sinne von ‚civil defence‘ wieder größere Bedeutung“, so Dr. Luchner.

Gefahr durch CBRN-Gefahren nicht gebannt

 Durch den europaweiten Terrorismus hätten die Blaulicht-Dienste eine sehr schwierige Aufgabe hinzubekommen. Der EU-Beamte wies in diesem Zusammenhang auf einen Workshop im kommenden Monat hin, der die Arbeit in sogenannten roten Zonen, das heißt in Bereichen, in denen noch akute Gefahr für Leib und Leben – auch für die Helfer – besteht, zum Thema hat. Gewappnet müsse man leider künftig auch gegen Angriffe mit CBRN-Mitteln sein, wobei der Schwerpunkt der Bedrohung weniger im Bereich radiologisch-nuklear als vielmehr im Bereich biologisch-chemischer Waffen liege.

Die Kommission, so Direktor Luchner, habe im Bereich des europäischen Zivilschutzes „außer ihrer Expertise, ihrer Kapazität, die Mitgliedsstaaten an einen Tisch zu bringen, und einem vergleichsweise geringen Jahreshaushalt keinerlei eigene Zivilschutzkapazitäten.“ Und sie strebe auch keine an. Das war nicht immer so.